Politische Arbeit in Parlamenten

Promotionsprojekt
2010-2015
Die soziologische Perspektive auf Politik ist unscharf. Häufig wird Macht mit Politik in eins gesetzt, werden Herrschaftsphänomene zur Essenz des Politischen erklärt. Was man dadurch übersieht zeigt der praxistheoretische  Zugang, den ich in meiner Doktorarbeit entwickle. Dieser macht politische Praxis als distinkte soziale Praxis erfassbar, in der Machtphänomene (wie überall sonst auch) zwar eine Rolle spielen, die sich aber vorrangig durch den konstitutiven Impuls zur gerichteten Einflussnahme auf gesellschaftliche Bedeutungsordnungen auszeichnet. Oder, mit Pierre Bourdieu gesprochen: Das politische Feld wird als ein Feld der kulturellen Produktion erkennbar, dessen spezifische Leistung mit der Hervorbringung von “idées forces” – also mit Mobilisierungskraft versehener symbolischer Gehalte – markiert ist. Eine ethnographische Studie auf vier parlamentarischen Ebenen, bei der ich mehrere Abgeordnete jeweils über eine Woche hinweg beim gesamten Spektrum ihrer Arbeitstätigkeit begleitet habe, ermöglicht es mir, den Prozess der Hervorbringung derart wirkmächtiger Ideen im politischen Geschehen zu rekonstruieren. Denn es handelt sich tatsächlich um einen Vorgang aktiver Hervorbringung: Nicht “Entscheidung” zwischen bereits vorhandenen symbolischen Gehalten ist die zentrale Leistung politischer Akteure, sondern vielmehr die Produktion derselben – sie sind ArbeiterInnen an der Bedeutungsordnung der Gesellschaft. Zentrales empirisches Ergebnis meiner Dissertation ist Modell PolArbeitein Modell dieser politischen Arbeit, wobei die Rede von “der” politischen Arbeit genau genommen irreführend ist: Es zeigen sich drei verschiedene Arbeitsmodi, die ich als “politisches Spiel”, “Themenabfertigung” und “politische Gestaltung” bezeichne.  Welcher dieser Modi zum Einsatz kommt hängt von der (konstruierten) Relevanz und Dringlichkeit des jeweils aktuellen Themas ab. Wie ich in meiner Arbeit ausführlich beschreibe, sind die Arbeitsprozesse selbst dabei sehr unterschiedlich, das Ziel allerdings bleibt stets das gleiche: In der dialektischen Verbindung von symbolischer Neuheit und symbolischem Bestand soll Evidenz erzeugt werden – jene unmittelbare Einsichtigkeit einer Idee also, die erst die Bedingung gesellschaftlicher Mobilisierung darstellt.

Im Sog des Politischen – die Bindung zwischen dem politischen Feld und seinen Akteuren am Beispiel der BürgermeisterInnen

Lehrprojekt
2013-2016
Wie gelangen Akteure in gesellschaftliche Felder, aber vor allem: Warum bleiben sie dort? Diese Frage stellt sich insbesondere für das politische Feld, von dem die praxistheoretische Forschung ein äußerst unattraktives Bild zeichnet: Zur so typischen inhaltlichen und zeitlichen Überfrachtung der politischen Akteure kommt noch normative Überforderung, Unvereinbarkeit mit dem Privatleben sowie hohe Konfliktprävalenz. Nicht umsonst fragt Ruth Wodak: “Why would rational and educated people apply for such a job?” In diesem Lehrforschungsprojekt gehen wir jener Frage nach, indem wir Interviews auswerten, die wir mit BürgermeisterInnen – der wohl größten Gruppen professioneller politischer Akteure – geführt haben. Wir erhoffen uns davon nicht nur Aufklärung in Bezug auf die spezifischen Bindungsbedingungen des politischen Feldes, sondern auf theoretischer Ebene auch Einsichten zum soziologisch so zentralen Verhältnis von Struktur und Akteur.

For me, sociology is the attempt to understand the world of people in all its complexity. In order to find out that it is this world that I would like to understand, I took some detours: via competitive sport, then natural sciences. In the laboratory, amidst biochemical apparatuses and substances, it became clear at some point that I was not so much thinking about the contents of my test tubes but about those who deal with them – people (even if disguised as scientists). That’s how I got into sociology, and I don’t want to get away from it. Only for my husband and children, and occasionally for my guitar and some good movies (and popcorn). Apart from that, I want to get to the bottom of people and their strangely fascinating, occasionally frustratingly diverse and ambiguous activities. On my website I write about what I encounter while doing so, I write about what moves me – in research, teaching and in general. Whenever I have the time and the desire to do so. This makes things easier to clarify and classify, a bit like a digital diary of thoughts.

Vita

seit 2018Research assistant (Post-Doc) at the Institute of Sociology at the Technical University Chemnitz
seit 2018Member of the Board of the DGS-Section for Political Sociology
2016-2018Research assistant (Post-Doc) at the Institute of Political Science and Sociology in at the University of Würzburg
2010-2016PhD Thesis (major in sociology, minor in psychology, funded by a scholarship from the German National Academic Foundation) at the University of Munich “Political work in parliaments – an ethnographic analysis in the political field”
2012-2015Teaching assignments at the University of Munich (research departments of pro-fessors Josef Brüderl, Hella von Unger and Armin Nassehi during the winter terms 2012/13, 2013/14, 2014/15 and summer term 2015)
2010-2012Research assistant at the Institute of Sociology at the University of Munich
2006-2010Student of sociology with minors in psychology and statistics at the University of Munich: diploma in sociology (M.A. equivalent). Thesis: “Personal relations – viewed from a systems theoretic perspective”
2008-2009Student Assistant at the German Youth Institute in Munich
2002-2006Student of biochemistry at the Technical University of Munich: B.A. in biochemistry
2003-2004Student Assistant at the Max-Planck-Institute für Psychiatry in Munich
2002Abitur