Die Kunst, Wirklichkeit zu gestalten. Das Wirklichkeitsverhältnis von PolitikerInnen am Beispiel der BürgermeisterInnen

Lehrforschungsprojekt
2013-2016

Die Stellung politischer Akteure in der gegenwärtigen Gesellschaft ist ambivalent. Auf der einen Seite sind sie schon seit geraumer Zeit harscher Kritik ausgesetzt, die sich durch den derzeitigen Aufschwung des Populismus nochmals verschärft. Auf der anderen Seite sind sie die ersten AdressatInnen, wenn gesellschaftliche Veränderungen erwirkt werden sollen, und auch in der politischen Theorie gewinnen politische Akteure aktuell an Bedeutung: Neuere (performative) Demokratietheorien weisen politischen Akteuren eine weit gewichtigere Rolle zu als dies bisher häufig der Fall war. Denn der zentrale Bezugspunkt ist nun nicht mehr etwa ein bereits existierender Volkswille oder bestehende Interessen, sondern jene sind selbst erst Ergebnisse des politischen Prozesses, müssen also aktiv hervorgebracht werden – demokratische Repräsentation muss als performativer Prozess verstanden werden. Vor dem Hintergrund einer derart unklaren Stellung beschäftigt sich das Lehrforschungsprojekt mit der Sichtweise politischer Akteure selbst (hier: von BürgermeisterInnen, 11 AmtsträgerInnen interviewt zwischen 2014-2015) auf ihr eigenes Tun – und setzt sich damit zugleich methodisch dafür ein, auch die Perspektive gesellschaftlich privilegierter Positionen für soziologische Erkenntnis zu nutzen. Zu den Ergebnissen der Untersuchung gehört die Feststellung, dass die interviewten BürgermeisterInnen gerade nicht in der Repräsentation (die sie als Verkörperung des politischen Prozesses gegenüber den BürgerInnen verstehen) ihre Hauptaufgabe sehen. Sondern, dass sie die Gestaltung der gemeindlichen Realität als ihre eigentliche Aufgabe begreifen, die sie als schöpferisches Tun beschreiben, mit dem Selbstverwirklichungs- und Erfüllungserfahrungen einher gehen. Die bürgermeisterliche Tätigkeit erscheint an diesen Stellen als eine Kunstform.

Publikationen: In Vorbereitung.