Demokratische Theorie und demokratische Praxis.

Eine Einladung zur Reflexion

Vortrag gehalten auf der Tagung “Die Fabrikation von Demokratie” am 6. Dezember 2019 in Duisburg.

Einleitung

Die gängigen Theorien der Demokratie befinden sich nicht auf der Höhe der Zeit. So lautete eine der Grundthesen im Aufruf zur Beteiligung an dieser Tagung. Zwar wird weltweit um neue Konzepte und Verfahren gerungen, um die Demokratieentwicklung praktisch voranzutreiben – bisher haben wir ja bereits einiges über entsprechende Versuche gehört: Beteiligungsverfahren, partizipative Ansätze, Mini Publics. Wer dabei aber noch nicht recht mitzuziehen scheint, das sind eben die Theorien. So kann man zumindest die Position der Organisator*innen im Call for Papers zur Tagung verstehen, ich zitiere: Mehr lesen

Über die Tagung „Soziologie der Parlamente?“ oder: der Kampf ums Fragezeichen

Bei der Organisation der Tagung standen wir (also das Orga-Team) vor einer schwierigen Entscheidung: Wie sollten wir unsere Tagung nennen? „Parlamente“ würde im Titel vorkommen müssen, aber „irgendwas mit Parlamenten“ ging nicht. „Wie Parlamente arbeiten“ kDSCN0558lang zu technisch, „Neues aus den Parlamenten“ traf zwar unsere Intention, neue Ansätze der Forschung zu Parlamenten auf den Schirm zu bekommen, war dann aber letztendlich doch wieder zu unspezifisch, hatte vielleicht einen zu unwissenschaftlichen Anklang – man konnte an eine Märchenstunde mit Wolfgang Thierse denken, oder an eine Bunte-Reportage zum (wahrscheinlich sinisteren) Privatleben der ParlamentsbewohnerInnen. Letztlich sind wir dann bei „Soziologie der Parlamente“ gelandet, denn genau darum sollte es ja gehen: um soziologische Perspektiven auf diese zentrale Institution der Demokratie, von deren Forschungsgegenstand-Qualitäten der Großteil der Soziologie bisher erstaunlich wenig Notiz genommen hat. Gerade das bisherige Fehlen einer ausgeprägten Auseinandersetzung von soziologischer Seite schien es uns dann erforderlich zu machen, den Titel in seiner letzten Fassung noch mit einem Fragezeichen zu versehen: Würden sich bei der Tagung tatsächlich Ansätze für eine Soziologie der Parlamente finden lassen? Gibt es und brauchen wir eine „Soziologie der Parlamente?“

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