Politische Arbeit in Parlamenten

Promotionsprojekt
2010-2015

Die Studie setzt bei der Diagnose eines Forschungsdefizits an der Schnittstelle zwischen Soziologie und Politikwissenschaft an – dort nämlich, wo es um die Untersuchung der politischen Praxis in den zentralen politischen Institutionen geht. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf eine dieser Institutionen: Welcher Logik folgt politische Praxis in Parlamenten? In Weiterentwicklung eines Politikverständnisses nach Pierre Bourdieu, der das politische Feld als Feld der kulturellen Produktion begreift, weicht die Untersuchung von den klassischen Pfaden politischer Praxisforschung ab: an Stelle von Entscheidungs- oder Machtpraxen gerät die Praxis der aktiven Hervorbringung wirkmächtiger, also mit Mobilisierungskraft aufgeladener Ideen, die Arbeit an „idées-forces“, ins Blickfeld – die produktive Dimension des politischen Geschehens wird sichtbar. In einer ethnografischen Studie auf vier parlamentarischen Ebenen, bei der mehrere Abgeordnete jeweils über eine Woche hinweg beim gesamten Spektrum ihrer Arbeitstätigkeit begleitet wurden, gelingt die Rekonstruktion des Hervorbringungsprozesses wirkmächtiger Ideen im parlamentarischen Alltag.

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Die Kunst, Wirklichkeit zu gestalten. Das Wirklichkeitsverhältnis von PolitikerInnen am Beispiel der BürgermeisterInnen

Lehrforschungsprojekt
2013-2016

Die Stellung politischer Akteure in der gegenwärtigen Gesellschaft ist ambivalent. Auf der einen Seite sind sie schon seit geraumer Zeit harscher Kritik ausgesetzt, die sich durch den derzeitigen Aufschwung des Populismus nochmals verschärft. Auf der anderen Seite sind sie die ersten AdressatInnen, wenn gesellschaftliche Veränderungen erwirkt werden sollen, und auch in der politischen Theorie gewinnen politische Akteure aktuell an Bedeutung: Neuere (performative) Demokratietheorien weisen politischen Akteuren eine weit gewichtigere Rolle zu als dies bisher häufig der Fall war. Denn der zentrale Bezugspunkt ist nun nicht mehr etwa ein bereits existierender Volkswille oder bestehende Interessen, sondern jene sind selbst erst Ergebnisse des politischen Prozesses, müssen also aktiv hervorgebracht werden – demokratische Repräsentation muss als performativer Prozess verstanden werden.

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Persönliche Beziehungen und moderne Gesellschaft

Diplomprojekt
2009-2010

Persönliche Beziehungen besitzen in der Moderne eine ambivalente Stellung. Auf der einen Seite konnte man mit Talcott Parsons noch davon ausgehen, dass sich moderne Gesellschaft gerade durch ein Zurückdrängen des affektiv-Partikularen auszeichnet. Auf der anderen Seite zeigt die stetig wachsende Bedeutung von Untersuchungen zu sozialen Netzwerken, dass diese Diagnose einiger Qualifizierung bedarf. In meiner Diplomarbeit bin ich dem Verhältnis persönlicher und sachlicher sozialer Bezüge nachgegangen, indem ich Switching-Prozesse zwischen diesen beiden Sinnebenen in einer Beobachtungsstudie in einer Hausarztpraxis analysiert habe. Im Ergebnis zeigt sich vor allem die besondere Bedeutung des starken Körperbezugs der Arztpraxis für die Induktion des Persönlichen, die Relevanz persönlicher Bezüge für die strukturelle Feinregulierung des Alltags vor dem Hintergrund der vorrangigen Legitimität der sachlich-medizinischen Rahmung, sowie der Mechanismus der Zurschaustellung aktiver Indifferenz zur Abwehr persönlicher Sinnofferten.

Publikationen: unveröffentlichte Diplomarbeit

Soziologie ist für mich der Versuch, die Welt der Menschen in ihrer Komplexität zu begreifen. Um zu erkennen, dass es diese Welt ist, die ich gerne begreifen würde, habe ich einige Umwege gebraucht: über Leistungssport, dann die Naturwissenschaft. Im Labor, inmitten biochemischer Apparaturen und Stoffe, war dann irgendwann klar: Viel mehr als über den Inhalt meiner Reagenzgläser denke ich über diejenigen nach, die mit den Reagenzgläsern umgehen – Menschen eben (wenn auch als WissenschaftlerInnen verkleidet). So kam ich dann zur Soziologie, und da will ich auch nicht mehr weg. Höchstens für meinen Mann und meine Kinder, und gelegentlich auch für meine Gitarre und ein paar gute Filme (und Popcorn). Ansonsten möchte ich vor allem dem Menschen und seinem seltsam faszinierenden, gelegentlich auch frustrierend vielfältigen und uneindeutigen Treiben auf den Grund gehen. Auf meiner Website schreibe ich über das, was mir bei dieser Auseinandersetzung begegnet, darüber, was mich bewegt – in Forschung, Lehre und überhaupt. Immer dann, wenn ich gerade Zeit und Lust dazu habe.

Vita

seit 2025Vertretung der Professur für Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie an der Universität der Bundeswehr München
seit 2023Mitglied im Konzil der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)
2021-2024Leiterin des DFG-Projekts "Kritik anti-essenzialistischer Soziologie" (Projektnr. 4435352822)
seit 2020Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie und Volkswirtschaftslehre der Universität der Bundeswehr München
seit 2018Mitglied im Vorstand der DGS-Sektion Politische Soziologie
2018-2019Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der TU Chemnitz
2016-2018Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
2010-2016Promotion am Institut für Soziologie der LMU München zum Thema „Politische Arbeit in Parlamenten – eine ethnografische Studie zum politischen Feld“ (Erstbetreuung Hans Pongratz, Zweitbetreuung Armin Nassehi; Abschluss mit summa cum laude)
2012-2015Lehrbeauftragte am Institut für Soziologie der LMU München (Lehrstühle Armin Nassehi, Hella von Unger, Josef Brüderl)
2010-2012Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der LMU München (Lehrstuhl Brüderl/Promberger/Pongratz)
2008-2009Studentische Hilfskraft am Deutschen Jugendinstitut in München (Abteilung Kinder und Kinderbetreuung)
2006-2010Studium der Soziologie, Psychologie und Statistik an der LMU München (Diplom)
2003-2004Studentische Hilfskraft am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München (Arbeitsgruppe Molekulargenetik des Verhaltens)
2002-2006Studium der Biochemie an der TU München (Bachelor)
2002Abitur