Die gesellschaftliche Konstruktion politischer Eliten

Lehrforschungsprojekt

2016-2018, Fortsetzung geplant

Welche Vorstellung macht sich die Gesellschaft von ihren PolitikerInnen? Diese Frage ist zwar prinzipiell für jedes politische System relevant. Gerade aber für Demokratien ist sie von besonderer Bedeutung. Denn diese sind unbedingt darauf angewiesen, dass auch aus Sicht der Bevölkerung ein vitales Verhältnis besteht zwischen ihr selbst und den (Berufs-)PolitikerInnen, die sie repräsentieren sollen. Ist dies nicht der Fall, so steht die Legitimität des gegebenen politischen Systems in Frage, die Demokratie droht in eine Krise zu geraten. Auf der Basis der bisherigen Forschung lässt sich dies allerdings bisher kaum aufklären. Das liegt daran, dass jene sich (wie im Falle der Soziologie) entweder viel mehr für gesellschaftliche Lagen der Benachteiligung statt für gesellschaftliche Führungspositionen interessiert. Oder aber, dass sie sich (wie im Falle der Politikwissenschaft) auf die PolitikerInnen selbst konzentriert, nicht aber auf das Bild, das sich die Gesellschaft von ihnen macht. Das Forschungsprojekt setzt an dieser Forschungslücke an. Auf der Basis einer qualitativen Textanalyse von Kommentaren in den Facebook-Profilen bekannter deutscher PolitikerInnen (Sommersemester 2016) sowie auf der Basis der dokumentarischen Analyse von Gruppendiskussionen (Wintersemester 2017/18) heißt das bisherige Ergebnis: Es besteht ein durchaus problematisches Verhältnis zwischen Menschen mit und ohne politische Ämter, die Sphäre des Politischen erscheint als überwiegend negativ besetzt, wird nicht als eigenständiges Berufsfeld anerkannt, PolitikerInnen erscheinen nicht nur als abgehobene, sondern auch als abstrakte, teilweise entmenschlichte Figuren, die sich grundsätzlich vom Rest der Bevölkerung unterscheiden.